Schmerzmedizin meint: Diagnostik zur gezielten Schmerztherapie oder Operation


Bei uns häufig durchgeführte Interventionen
Standardisierter Ablauf und Auswertung von Infiltrationen
Röntgen- und ultraschallgesteuerte Infiltrationen
Neuromodulative Verfahren
Medikamenteninfusionen zur Diagnostik und Therapie

Bei uns durchgeführte Schmerzdiagnostik und Schmerztherapien

-Diagnostisch-prognostistische Abklärung von gelenksversorgenden Nerven mit Lokalanästhetika hinsichtlich deren Verödung (Hitze/Kälte)
-Facettengelenksnerven zervikal, thorakal und lumbal
-Sakroiliakalgelenke
-Therapeutische Hitze- oder Kältebehandlungen nach erfolgter Diagnostik
-Facettengelenksnerven
-Periphere rein sensible Nerven
-Diagnostisch-therapeutische transforaminale Nervenwurzelinfiltrationen
-Diagnostisch-therapeutische Gelenksinfiltrationen
-Sakroiliakalgelenk
-Facettengelenke zervikal, thorakal und lumbal
-Diagnostische, seltener therapeutische Nerveninfiltrationen
-Meralgia parästhetica (N. cutaneus femoris lateralis)
-Knieschmerzen (N. saphenus und N. infrapatellaris)
-Inguinalschmerzen nach Hernienoperationen (Nn. ilioinguinalis und iliohypogastricus)
-TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation)
-Diagnostische und/oder therapeutische Medikamanteninfusionen
-Capsaicinpflaster Qutenza (R) Applikationen
-Andere

Standardisierter Ablauf und Auswertung von Infiltrationen

Wenn immer möglich und sinnvoll, versuchen wir mit einer Infiltration die Schmerzursache besser zu verstehen und besser einzugrenzen. Infiltrationen können unterschiedliche Ziele verfolgen:

  • rein diagnostisch
  • diagnostisch-prognostisch
  • gemischt diagnostisch-therapeutisch
  • rein therapeutisch 

Den Schmerzort ist dann diagnostisch besser eingegrenzt, wenn nach gezielter Gabe von ganz wenig Betäubungsmittel (0.3 bis 2 ml Lokalanästhetikum) der Schmerz zurück geht oder verschwindet. 

Wir betreiben dafür einen beträchtlichen Aufwand und folgen international anerkannten Richtlinien.  Die Schmerzstärke an allen Schmerzorten und der Grad von Funktions- (Bewegungs-) einschränkungen werden deshalb vor der Infiltration genau erfasst (Mapping) und während mindestens 60 Minuten nach der Infiltration nochmals  in der Praxis von uns nachbefragt.

Es folgt mit dem Betroffenen eine Nachbesprechung des Schmerzverlaufes und der Funktionsverbesserung. Erst dann kann meist eine gezielt Schmerztherapie erfolgen.


Röntgen- und ultraschallgesteuerte Infiltrationen

Röntgen und Ultraschall dienen zur genauen Platzierung der diagnostischen oder therapeutischen Nadel.

 

Unter Röntgen sind vor allem Knochen gut sichtbar. Die dynamische Kontrastmittelausbreitung kann unter Röntgen gleich bei der Injektion beobachtet, beurteilt und dokumentiert werden. Mit der speziellen Röntgentechnik DSA (Digitale Substraktionsangiographie) können problematische (nicht erwünschte) Injektionen in kleinste Blutgefässe  meist entdeckt und verhindert  werden (z.B. in arterielle Endstrombahnen).

Ultraschall: In den letzten Jahren hat der Ultraschall immer mehr Einzug in die Medizin gehalten. Der Ultraschall hat den Vorteil, dass man Weichteile (z.B. Nerven, Gelenkkapseln, Muskeln,..) bis zu einer Tiefe von ca. 5 bis 10 cm identifizieren kann. Knochenstrukturen hingegen sind nur an deren Oberfläche sichtbar und verhindern die Sicht in die darunter liegenden Gewebestrukturen. Der Ultraschall erzeugt keine potentiell schädigende Röntgenstrahlung, was z.B. bei Schwangeren neue Interventionsmöglichkeiten (v.a. SIG) eröffnet und für den jahrelang  tätigen Untersucher wichtig ist.

 

Zur Diagnostik über die Nadel dienen:

-Elektrischer Reizstrom (motorisch/ sensorisch) zur Identifikation von Nerven
-Lokalanästhetika zur Betäubung von vermutet schmerzhaften Strukturen (z.B. Gelenke, Nerven, Muskeln)

 

Zur Schmerztherapie über die Nadel werden  häufig eingesetzt:

-Hitze mit thermischer Radiofrequenz (80 bis 90°C)
-Kälte mit spezieller Kryonadel (-60 bis -80°C)
-Phenol- oder Alkohol
-Gepulste Radiolfrequenzen (bis 42°C)
-Cortison

Neuromodulative Verfahren

Zur Schmerztherapie in Frage kommende elektrische neuromodulative Verfahren wie die elektrische Rückenmarkstimulation (Spinal cord stimulation (SCS)), die Okzipitalis-Neurostimulation (ONS), Subkutane Feldstimulation (SubQ-Stim) sind in der Regel zweite Wahl und werden erst nach erfolglosen physikalischen Massnahmen, medikamentösen und minimal invasiven Interventionen, einer psychologisch-psychiatrischen Abklärung  interprofessionell und interdisziplinär diskutiert. Nicht alle Therapieoptionen sind kassenpflichtig und benötigen deshalb eine spezielle Kostengutsprache der Versicherungen.

Implantierte Medikamentenpumpen (Intrathecal Drug delivery, ITD), welche Medikamente direkt in die Rückenmarksflüssigkeit verbreichen, werden  in letzter Zeit bei nicht-palliativen Patienten kritischer berurteilt und sind dank den pharmazeutischen Weiterentwicklungen (Medikamentenpflaster, Retard-Tabletten,..) häufig nicht nötig. Bei palliativen Schmerzpatienten zeigt diese Therapie sehr gute Resultate (d.h. gute Schmerzlinderung mit weniger Nebenwirkungen) wird aber (noch)  zu wenig eingesetzt.

 


Medikamenteninfusionen zur Diagnostik und Therapie

Ziele einer intravenösen Medikamentenaustestung:

  • Weniger erfolgsversprechende Medikamentenstoffgruppen werden ausgeschlossen oder zumindest nicht als Erstes eingesetzt
  • Gewisse Medikamente können nach einer Testung ohne Schmerzreduktion gestoppt werden.
  • Erfolgreich auf ein Schmerzmittel getestete Patienten können während der Dosissteigerung an die erlebte Schmerzreduktion während der Infusion erinnert und einfacher durch temporäre Nebenwirkungen geführt werden.
  • Erfolgreich auf ein Schmerzmittel getestete Patienten sind bei anhaltenden Nebenwirkungen eher bereit nochmals eine andere Substanz aus der gleichen Stoffgruppe auszuprobieren.
  • Eine intravenöse Medikamentenaustestung ist (wie der Name sagt) nur ein Test. Auch gegenüber Medikamenten sehr kritisch eingestellte Patienten sind oft daran interessiert zu wissen, ob überhaupt ein Schmerzmittel wirken würde, falls sonst keine anderen Therapien gefunden werden können.
  • Eine erlebte Schmerzreduktion während einer Infusion kann dem Patienten helfen, sich für eine medikamentöse Schmerztherapie zu entscheiden.